TIERVERSUCH
Tierstudie
Grundlagenforschung

Zahnfleischbakterien stören die tägliche Uhr des Gehirns bei Mäusen und verschlimmern Alzheimer-ähnliche Schäden

Eine 6-monatige Studie an Mäusen ergab, dass ein häufiges Bakterium der Zahnfleischerkrankung den zirkadianen Rhythmus des Gehirns störte, Entzündungen auslöste und die Ablagerung von Alzheimer-assoziierten Proteinen im Gedächtniszentrum erhöhte.

Was wurde untersucht

Forscher infizierten Mäuse 6 Monate lang mit Porphyromonas gingivalis, einem Bakterium, das bei Menschen Zahnfleischerkrankungen verursacht. Anschließend untersuchten sie das Hippocampus des Gehirns (das Gedächtniszentrum), um zu sehen, wie die Infektion die Gene des zirkadianen Rhythmus beeinflusste – die molekulare Uhr, die tägliche biologische Zyklen reguliert – und ob dies zu Alzheimer-ähnlichen Veränderungen im Gehirn beitrug.

Was wurde gefunden

Die Infektion mit der Zahnfleischerkrankung dämpfte die rhythmische Aktivität von Bmal1, einem wichtigen Gen der zirkadianen Uhr im Hippocampus. Diese Störung trat durch die Unterdrückung des PI3K/AKT-Signalwegs auf. Das Ergebnis war eine erhöhte Gehirnentzündung, aktivierte Immunzellen (Astrozyten und Mikroglia) und erhöhte Werte von Amyloid-beta – dem toxischen Protein, das sich bei Alzheimer ansammelt. Als die Forscher den PI3K/AKT-Weg in im Labor gezüchteten Gehirnzellen wiederherstellten, normalisierte sich der Rhythmus der Uhr und die Entzündung nahm ab.

Was das bedeutet

Diese Studie bietet eine potenzielle biologische Erklärung dafür, warum Menschen mit chronischen Zahnfleischerkrankungen höhere Raten von Demenz aufweisen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass orale Bakterien das Gehirn indirekt schädigen könnten, indem sie seine innere Uhr stören, was wiederum Entzündungen und Proteinansammlungen auslöst. Diese Verbindung wurde jedoch nur bei Mäusen und Zellkulturen untersucht – sie wurde nicht an Menschen getestet.

Wichtiger Hinweis

Diese Forschung wurde vollständig an Labor-Mäusen und isolierten Gehirnzellen durchgeführt. Mäusegehirne unterscheiden sich erheblich von menschlichen Gehirnen in Struktur, Immunantwort und Krankheitsverlauf. Viele Ergebnisse aus Mäusemodellen für Alzheimer haben sich nicht auf menschliche Patienten übertragen lassen. Ob Zahnfleischerkrankungen die gleiche Störung der Uhr und Gehirnschäden bei Menschen verursachen, bleibt unbekannt und würde klinische Studien erfordern.

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